»Letzte Lieder«

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Ein­mal im Le­ben woll­te sie in den Nor­den. Dann war das Haus nicht be­zahlt, das Kind zu klein, die Ar­beit zu wich­tig. Im Ho­spiz hat die Ster­ben­de dem Frank­fur­ter Pro­jekt­künst­ler Ste­fan Weil­ler von der nie an­ge­t­re­te­nen Rei­se er­zählt. Ge­fragt nach dem Lied ih­res Le­bens wünsch­te sich die Frau »et­was aus Skan­di­na­vi­en«. Für sie er­klang am Sams­tag in Aschaf­fen­burg das schwe­di­sche Volks­lied »Uti var ha­ge«.
Es war ein besonderer Abend. In die Christuskirche gekommen, um die letzten Lieder Todkranker zu hören, gedachten 450 Menschen zunächst mit einer Schweigeminute der Terroropfer von Paris. »Hass kann nicht mit Hass beseitigt werden, nur mit Liebe«, sagte Almut Föller, ärztliche Leiterin des Hospiz- und Palliativ-Teams Bayerischer Untermain, für das später um Spenden gebeten wurde.
Multimediales Konzert
»Und die Welt steht still. Lieder und Geschichten von Menschen in der letzten Lebensphase«, hat Weiller sein Projekt genannt. Aus seinen Gesprächen mit Hospizpatienten ist ein multimediales Konzert geworden. Jedes der Lieder wird begleitet von Texten: In der Christuskirche führte die Rundfunk- und Fernsehsprecherin Birgitta Assheuer in die Hospizzimmer der Todkranken, die Schauspielerin Hansi Jochmann gab den Gesprächspartnern Weillers, die heute alle nicht mehr leben, behutsam ihre Stimme.
Der Sterbenden zum Beispiel, in deren Leben es zehn Männer gab. »Der Zehnte war’s dann!«, hat sie Weiller erzählt, und dass der wohl auch nicht immer treu gewesen sei. Das ihr kostbarste Lied? »Madamina, il catalogo è questo« aus Mozarts »Don Giovanni«. In dieser Arie trägt Diener Leporello die Liste der Liebschaften Don Giovannis vor. Die Frau am Ende des Lebens gab Weiller eine »dringende Empfehlung« mit: »…für die Oper und für das Leben, genießen Sie es!«
Es sind humorvolle wie schwermütige Lebensbilanzen, kleine Weisheiten und trotzige Verweigerungen, die Stefan Weiller in den Hospizen und bei vier Patienten des Untermain-Palliativteams aufgeschrieben hat. Wie die Feststellung eines Mannes, er habe kein Lied, das Schönste sei die Stille: »Wenn man sie aushält!« Für 60 Sekunden blieb es in der Christuskirche lautlos.
Bunt wie das Leben
Die Liedauswahl, bunt wie das Leben, führte von »Komm’ lieber Mai…« über »Ave Maria« und »A jiddische Mame« zu »The rose« und »Der Weg«. Die Gesangssolisten, allen voran die Sopranistin Christina Schmid, die Mezzosopranistin Mareike Bender und der Tenor Julian Habermann, der Kammerchor der Aschaffenburger Kantorei mit seinem Leiter Christoph Emanuel Seitz und die vielen Musiker machten aus den letzten Liedern ein Erlebnis.
»Schieben Sie nichts auf!«, hat die Frau, die nie nach Skandinavien kam, Stefan Weiller mit auf den Weg gegeben. »Lebt, so lange es geht«, riet ihm ein Hospizpatient und wünschte sich als letzte Musik »Let it be« von den Beatles. Dieses Lied, sagte er, sei so schlicht »und zum Sterben schön«.

[http://www.main-echo.de/regional/stadt-kreis-aschaffenburg/art11846,3881857]

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